[Provenienz] 5000 Unterschriften erreicht! Danke!

F.Seck f.seck at t-online.de
Fr Nov 25 14:59:04 CET 2011


Sehr geehrte Frau Barow-Vassilevitch,

Ihr Engagement für die Stadtbibliothek Mainz und das Bibliothekswesen überhaupt finde ich durchaus erfreulich. Trotzdem stören mich einige m.E. falsche Zungenschläge Ihrer Rundmail. Der sehr verdienstvolle Tübinger Oberbibliothekar und Professor Robert (v.) Mohl (1. H. 19. Jh.) hat zwar einmal gesagt, er würde für seine Bibliothek zur Not sogar stehlen, aber das war wohl nicht so wörtlich gemeint. Ihre Worte, daß man "auch schwindeln muß", könnten aber bürgerliches Engagement wie dieses in Mißkredit bringen - was Sie bestimmt nicht wollen. 
Und soll man aus dem Schluß Ihrer mail schließen, daß Sie Unterschriften von Befürwortern der Kernenergie oder Menschen, die gelegentlich eine Tankstelle aufsuchen, ungern unter einer solchen Liste sehen? Wenn nicht, was sollen dann diese überhaupt nicht zur Sache gehörenden Wendungen?
Schließlich (an Frau Ottermann): Vertreten wir denn unsere eigenen Interessen und nicht in erster Linie die der Benutzer, noch allgemeiner: der Wissenschaft, wenn wir uns gegen die Zerschlagung einer Bibliothek wenden?

Mit freundlichen Grüßen allerseits
Friedrich Seck,
der als Pensionär natürlich gut reden hat.

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Dr. Friedrich Seck
Erlenweg 18
72076 Tübingen
Telefon:  (0 70 71) 96 49 40
Telefax auf Anfrage
  ----- Original Message ----- 
  From: Barow-Vassilevitch, Daria 
  To: 'provenienz at dlist.uni-frankfurt.de' 
  Sent: Friday, November 25, 2011 9:39 AM
  Subject: Re: [Provenienz] 5000 Unterschriften erreicht! Danke!



  Vielleicht müssen wir Bibliothekare überhaupt mutiger und lauter unsere Interessen vertreten. Wo der zu erwartende Widerstand gering, die Stimmen zu zaghaft und die Lobby nicht mächtig genug ist, haben die politischen Entscheidungsträger umso leichteres Spiel.

  Genau, liebe Frau Ottermann! Die Wissenschaftler, Bibliothekare, auch Uni-Mitarbeiter sind definitiv zu harmlos. Sie sind glücklich, wenn man sie ein bisschen ihre schöne Arbeit machen lässt und demütig, wenn es zu Ende geht. Ich bin ja selbst eine von ihnen (bald vorläufig nicht mehr, weil mein Projekt ausläuft), aber eine der Lehren, die ich aus diesen Jahren der Handschriftenkatalogisierung auf internationaler Basis mitgenommen habe, ist die folgende: Man muss ein bisschen Politiker und Diplomat, und vor allem ein Lobbyist sein, dann klappt oft auch das scheinbar Aussichtslose. Auch wenn man mal etwas übertreiben oder schwindeln muss, ist es keine Schande, denn man tut es ja nicht für die Kernkraft oder Ölkonzerne.

   

  Herzliche Grüße

   

  D. Barow-Vassilevitch, Berlin



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